Wenn ich in meinem Leben so zurückdenke, dann muss ich sagen, dass es die meiste Zeit gerade nicht digital gewesen ist. Aufgewachsen bin ich im vordigitalen Zeitalter, als die Telefone noch Schnüre hatten. Natürlich hatte ich eine Digitaluhr, einen Taschenrechner (mit einzeiliger Anzeige!) und habe irgendwann begonnen, mir CDs zu kaufen. Mit Digitalisierung hätte ich das aber niemals in Verbindung gebracht.

Die früheste Erinnerung an Hilfsmittel, die ich bewusst als digitale Hilfsmittel genutzt habe, stammen aus meinem Studium. Meine Uni hat bereits sehr früh auch für Studierende die Möglichkeit eröffnet, einen juristischen Online-Informationsdienst zu nutzen, der in den 1990er Jahren gerade aufgebaut wurde. Mittlerweile ist daraus für alle Juristen ein unverzichtbares Werkzeug geworden. Mit ein paar Suchkriterien kann man damit zu beliebigen Rechtsfragen Gerichtsurteile, Fundstellen für Aufsätze und ähnliche hilfreiche Textstellen anzeigen.

Informationen austauschen

Selbstverständlich habe ich auch ansonsten bereits Computer benutzt, jedoch ist meine Nutzung kaum über die Anwendung als digitale Schreibmaschine hinausgegangen. Erst als das Internet sich vom reinen textbasierten zu einem multimedialen Netz entwickelt hatte, begann ich, mich auch jenseits des akademischen Bereichs online zu bewegen. Zeitung lesen, Informationen recherchieren, Bücher, Musik und andere interessante Dinge im Versandhandel bestellen, das ging alles elektronisch. Zeitweise war ich auch in einer Online-Community aktiv, um mich mit anderen Betroffenen zum Thema Querschnittlähmung auszutauschen. Hier habe ich unter anderem auch meine Frau kennengelernt.

Für wichtige Entwicklungen in meinem Leben sind also digitale Errungenschaften mit entscheidend. Von einem digitalen Leben war ich allerdings noch weit entfernt. Online ging ich stationär am Desktop, entweder privat oder dienstlich. Mobil war ich über das Telefonieren oder das Schreiben von SMS hinaus lange Zeit nicht digital. 

Blog, Smartphone, Tablet

So richtig Fahrt hat mein digitales Leben erst aufgenommen, als ich begonnen habe, die Dinge, die mich beschäftigen, in einem Blog aufzuschreiben. Gleichzeitig habe ich mich da auch bei Facebook und Twitter angemeldet. Bis zu einem digitalen Leben war es auch da noch ein weiter Weg. Erst als ich mich von meiner Frau habe überreden lassen, ein Smartphone zu nutzen, war der Damm endgültig gebrochen. Seither sind digitale Dienstleistungen ständige Begleiter für mich.

Es ist aber auch zu praktisch, mal eben unterwegs etwas online recherchieren zu können, unterwegs an unbekannten Orten die Navi-App ständig ständig bereit zu haben, mich mit anderen über eine Messenger-App ganz unkompliziert austauschen zu können und die ganzen kleinen Helferleins zu nutzen, die mir auch ansonsten noch zur Verfügung stehen. Selbst mein Wohnzimmer ist durch die digitale Revolution schöner geworden, seit ich meinen alten Laptop durch ein handliches Tablet ersetzt habe. 

Selbstverständlich sehe ich auch Gefahren, wenn ich mir bewusst mache, wie viele Daten über uns alle existieren und zu allem Überfluss auch noch an wenigen Orten zusammengeführt werden. Ich glaube aber, dieses Problem lässt sich lösen. Wenn ich mir jedoch vorstelle, die Digitalisierung hätte niemals stattgefunden, dann ist das für mich wesentlich erschreckender. Denn ohne digitale Unterstützung hätten zum Beispiel viele medizinische Geräte niemals entwickelt werden können, ohne deren Einsatz ich die Querschnittlähmung, die ich mir 1990 bei einem Unfall zugezogen habe, kaum bis heute überlebt hätte.

Letztlich hat das Digitale mein Leben eher schleichend als schlagartig erobert. Verzichten möchte ich darauf jedoch nicht mehr.

 

Foto: Michèle Lichte


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