Meine ersten Websites habe ich noch per Hand codiert und dafür hatte ich einen virtuellen Lehrer namens Peter Müller und seine Little Boxes. Jahre später wurde eben dieser Mensch, von dem ich ein Riesenfan bin, Fan von mir und meinen Büchern. Es folgten stundenlange Hangouts und schließlich auch Treffen offline sowie ein gemeinsames Projekt. Heute beantwortet Peter unsere Interviewfragen hier:

Bitte stelle Dich kurz vor (Name, Ort, Website/Blog, wichtigste drei Social-Media-Profile)

Peter Müller, Groningen
pmueller.de
facebook.com/petermuellerautor
twitter.com/pmmueller
plus.google.com/+PeterMüller
Auf der Website gibt’s alle weiteren Links 😉

Was motiviert Dich dazu, an der Interviewreihe teilzunehmen?

Annettes Frage bei einem Facebook-Chat, eine Chance zur Reflektion und die coole Top-Level-Domain (.digital).

Wie digital ist Dein Leben derzeit und wie hat es sich dahin entwickelt?

Zwischen raus aus dem Bett und wieder rein ins Bett verbringe ich einen großen Teil meiner Zeit vor Bildschirmen, deren Geräte allesamt mit einem Netz verbunden sind, über das digitale Daten übertragen werden.

Wie sich das genau entwickelt hat, kann man in der Reihe „Mein Weg ins Web“ auf schwindt-pr.com nachlesen. 😉

Was findest Du besonders interessant und spannend an der Digitalisierung?

Das mühelose Überbrücken von geografischen Entfernungen und die dadurch mögliche Kommunikation. Tele-Kommunikation. Das ist letztlich der Kern der Sache.

Wobei Digitalisierung für mich ohne Vernetzung nur begrenzt sinnvoll ist. Das ist wie Dampfmaschine und Eisenbahn: Die Dampfmaschine gilt als Symbol der industriellen Revolution, aber erst die Eisenbahn brachte die Sache ins Rollen. Heute übernimmt die Digitalisierung die Rolle der Dampfmaschine, und das Internet die der Eisenbahn.

Durch diese Kombination von Digitalisierung und Vernetzung entsteht eine unglaubliche Dynamik, die phantastische Möglichkeiten eröffnet, aber bei Kommunikation gilt letztendlich immer der Satz „It’s all about people. The rest is just technology.“ Oder anders ausgedrückt: Was nützt ein goldenes Telefon, wenn man sich nichts zu sagen hat?

Was findest Du bedenklich am Umgang mit der Digitalisierung?

Auf der globalen Ebene finde ich bedenklich, dass ein großer Teil der digitalen Infrastruktur in der Hand von wenigen privaten Firmen liegt.

Google ist letztlich genauso wenig eine Suchmaschine wie Facebook ein soziales Netzwerk. Beides sind börsennotierte Firmen und beide verkaufen in erster Linie Werbung. Das Ziel ist die Maximierung ihres Gewinns, und nicht, dass wir so schön digital kommunizieren können. Das ist nur Mittel zum Zweck.

Auf der persönlichen Ebene finde ich es zunehmend erschreckend, wie gedankenlos viele Leute (digital) unterwegs sind. Komplexe Sachverhalte werden auf Reizworte reduziert und man reagiert nur noch mit Bauch oder Rückenmark. Bis zum Kopf kommt das überhaupt nicht mehr. Blubbern statt denken.

Was früher an Stammtischen lokal begrenzt war, wird heute durch die interaktiven Medien viel schneller öffentlich. Dabei wirkt das Netz wie ein Resonanzkörper, der die Schwingungen verstärkt und riesige Wellen erzeugt. Und das kann in alle Richtungen gehen.

Was glaubst Du, wie sich die Digitalisierung weiter entwickeln wird?

Wenn ich mir anschaue, wie sich das Web in den letzten zwanzig Jahren entwickelt hat, dann fallen mir Prognosen wirklich schwer. „Internet of Things“ sicherlich, aber wie das konkret aussehen wird – keine Ahnung. Ich bin gespannt drauf.

Können diejenigen mit dem Thema Digitalisierung versöhnt werden, die sich von ihr bedroht fühlen?

Douglas Adams hat in Salmon of Doubt ein paar Regeln aufgestellt, die unsere Reaktionen auf technische Neuerungen beschreiben“:

1. Alles, was es schon gibt, wenn du auf die Welt kommst, ist normal und üblich und gehört zum selbstverständlichen Funktionieren der Welt dazu.
2. Alles, was zwischen deinem 15. und 35. Lebensjahr erfunden wird, ist neu, aufregend und revolutionär und kann dir vielleicht zu einer beruflichen Laufbahn verhelfen.
3. Alles, was nach deinem 35. Lebensjahr erfunden wird, richtet sich gegen die natürliche Ordnung der Dinge.

Und da ist schon was dran. Ich habe die digitale Welt mit Ende 20 kennen gelernt, also gerade noch rechtzeitig, und es hat mir zu einer beruflichen Laufbahn als Dozent und Autor verholfen.

Aber Technik ist Voraussetzung für digitale Kommunikation, und das ist und bleibt eine große Hemmschwelle. Das fängt schon mit Benutzernamen und Passwörtern an. Da sind viele Leute absolut überfordert.

Der Erfolg von WhatsApp zum Beispiel beruht, denke ich, zumindest zum Teil darauf, dass es automatisch an die Nummer gekoppelt wird und man sich weder Benutzername noch Passwort merken muss.

Wie kann man die Menschen dazu bringen, sich mit dem Thema Digitalisierung aktiv auseinander zu setzen?

1. Mach es interessant.
2. Mach es einfach.

Vielen Dank fürs Mitmachen, lieber Peter! 🙂

Wer diese Fragen ebenfalls beantworten, oder einen Gastartikel darüber schreiben möchte, wie die Digitalisierung das Leben verbessern kann, findet alle nötigen Infos dazu unter http://www.unserleben.digital/mitmachen.

Alle bereits erschienenen Interviews findet Ihr unter
http://www.unserleben.digital/thema/interviews.


Wir freuen uns, wenn Ihr unsere Beiträge weitersagt: