Wenn jemand mit dem Digitalen umzugehen und darüber Menschen zu verbinden weiß, dann ist es Leander Wattig. Er bringt in seinen Projekten Menschen mit gleichen Interessen zusammen und das sowohl digital als auch analog. Mit gerade mal Anfang dreißig ist er außerdem ganz anders mit dem Thema Digitalisierung aufgewachsen als das noch bei Thomas und mir der Fall war. Deshalb wollten wir gern seine Antworten auf unsere Interviewfragen lesen:

Bitte stelle Dich kurz vor (Name, Ort, Website/Blog, wichtigste drei Social-Media-Profile)

Ich heiße Leander Wattig, wohne im bunten Berlin-Kreuzberg und bin Eventmacher, Vortragsredner, Dozent, Berater und Gründer von Orbanism. Ihr findet mich auf leanderwattig.com und sonst überall im Netz unter @leanderwattig.

Was motiviert Dich dazu, an der Interviewreihe teilzunehmen?

Zunächst einmal hast Du mich ganz lieb darauf hingewiesen, Annette. Vor allem aber verdiene ich seit 8 Jahren in der Selbstständigkeit mein Geld mit digitalen Themen. Warum ich das mache? Weil ich selbst verstehen und mitgestalten möchte, was da passiert. Bei mir persönlich geht es vor allem um die Frage, wie man über digitale Plattformen Reichweite gewinnen kann, wie man solchen Plattformen selbst kreieren und gestalten kann und wie sich das Digitale wiederum nutzen lässt, um Offline-Erlebnisse fruchtbarer zu machen. Zudem bin ich im Privaten natürlich wie jeder andere auch ebenfalls mit Fragen der Digitalisierung konfrontiert und insofern immer ein Lernender.

Wie digital ist Dein Leben derzeit und wie hat es sich dahin entwickelt?

Ich bin keiner, der sich auf jede Spielerei stürzt, weil das alles Lebenszeit frisst. Ich ticke da schon sehr nutzwertgetrieben. Zugleich bin ich aber auch extrem neugierig und will alles grundsätzlich verstehen, schaue es mir also zumindest grob an. Das ist bei mir zufällig so gegeben. Ich halte das aber übergreifend für eine gute Mischung in der heutigen Zeit. So hat man noch die besten Chancen, nicht jemand zu werden, bei dem es zu Recht heißt, Technikaffinität sei eine Altersfrage. Viele Themen habe ich mir so auch später erst erschlossen. Ich hatte beispielsweise vor 5 Jahren noch nicht ein einziges Selfie gemacht in meinem Leben. Heute läuft bei mir fast alles über digitale Kanäle, was Kommunikation und Shopping betrifft. Auf der anderen Seite weiß ich es um so mehr zu schätzen, dass ich mit ausgewählten Leute beispielsweise noch Brieffreundschaften pflege. Die bekannte Splittung hin zu digital-praktisch und analog-luxus. Daher auch mein Vintage-Media-Bild zum Digitalisierungsinterview, weil eben auch das Teil der Zukunft ist.

Was findest Du besonders interessant und spannend an der Digitalisierung?

Ich finde alles, was Zukunft ist, spannend. Schließlich können wir sie eh nicht verhindern. Das finde ich immer witzig, wenn Leute Vor- und Nachteile der Digitalisierung auf eine Weise erörtern und dabei Vieles wortreich ablehnen, als hätten sie eine Chance, diese Entwicklung bei Missfallen einfach abzuschalten. Mich begeistern vielmehr all die neuen Felder, die sich auftun: alte und kranke Menschen sind so unabhängig wie nie, wir können Beziehungen zu Menschen auf aller Welt pflegen, mein digitales Berufsleben ist so einfach wie das Computerzocken früher und zum Klamottenkaufen muss ich nicht mehr das Haus verlassen. Genial.

Was findest Du bedenklich am Umgang mit der Digitalisierung?

Man muss ja blind sein, um mögliche Nachteile nicht zu erkennen. Wobei „Herausforderungen“ es besser trifft. In der Geschichte war es ja immer so, dass die positiven und negativen Seiten ins Gleichgewicht gebracht werden mussten. Natürlich ist es ungut, dass die USA und andere Mächte digitale Kanäle für die Überwachung und Manipulation nutzen. Natürlich ist es ungut, dass der IS über das Internet abscheuliche Bilderkriege führt und Menschen rekrutieren kann. Natürlich ist es ungut, wenn krankhafte Erscheinungen bei einzelnen Menschen durch die Digitalisierung verstärkt werden, bis hin zu Amokläufen. Bedenklich finde ich aber weniger diese Umstände, die ja quasi zwangsläufige Erscheinungen sind, als vielmehr die Frage, ob wir die Gegengewichte schnell genug entwickelt bekommen.

Was glaubst Du, wie sich die Digitalisierung weiter entwickeln wird?

Ich könnte à la Möchtegern-Futurist weit ausholen, aber letztlich haben wir alle keine Ahnung, was genau kommen wird. Ich weiß nur, dass die schlechtesten Chancen bei alledem haben wird, wer sich abschottet und abkoppelt von der Entwicklung. Ich persönlich werde sogar lieber irgendwann eine Art von Borg als dass ich von Mensch-Maschine-Wesen versklavt werde. Wobei das eher ein Thema für unsere Kinder und Kindeskinder sein dürfte. Hoffentlich. Kurzfristig wird sich erstmal unser ganzes Umfeld digitalisieren und alle relevanten Gegenstände werden eine IP bekommen. Eine extrem positive Erscheinung ist beispielsweise auch, dass viele Phänomene der Massenfertigung verschwinden und wieder durch kleinteilige Strukturen ersetzt werden, die uns als Menschen viel mehr entsprechen.

Können diejenigen mit dem Thema Digitalisierung versöhnt werden, die sich von ihr bedroht fühlen?

Nicht alle. Wandel ist immer unangenehm, weil wir nicht gern das Gelernte und Bewährte infrage stellen und damit unser davon geprägtes eigenes Leben. Egal, wie gut wir das mit der Digitalisierung hinbekommen, es wird immer Leute geben, die eine solche Entwicklung prinzipiell ablehnen. Das ist auch völlig okay. Konzentrieren wir uns lieber auf die grundsätzlich aufgeschlossenen Menschen, als uns an den hoffnungslosen Fällen abzuarbeiten.

Wie kann man die Menschen dazu bringen, sich mit dem Thema Digitalisierung aktiv auseinander zu setzen?

Am Ende gibt es nur zwei Treiber: Gier oder Angst. Angst funktioniert immer sehr einfach, weil die Leute sofort verstehen, was alles verloren gehen kann im Wandel. Deshalb spielt die Presse ja auch immer die Angst-Karte, weil das am einfachsten Aufmerksamkeit bringt. Gier wiederum klingt etwas hart, steht aber letztlich nur für die Kehrseite der Medaille, also die Chancen der Entwicklung. Diese sind nicht immer gleich so sichtbar und müssen vielfach auch erst entwickelt werden. Hier liegt die Herausforderung: Am besten ist es, die Leute ein bisschen an die Hand zu nehmen und ihnen Vorteile der Digitalisierung in der Währung ihrer Welt aufzuzeigen – je nachdem, was ihnen wichtig ist. Das macht Mut für die nächsten Schritte.

Gibt es noch etwas, das Du schon immer zum Thema Digitalisierung sagen wolltest?

Danke dafür.

Foto: xenonline.de

Danke DIR, lieber Leander! 😉

Wer diese Fragen ebenfalls beantworten, oder einen Gastartikel darüber schreiben möchte, wie die Digitalisierung unser Leben besser machen kann, findet alle nötigen Infos dazu unter http://www.unserleben.digital/mitmachen. Wir freuen uns auch über Linktipps!

Alle bereits erschienenen Interviews findet Ihr unter
http://www.unserleben.digital/thema/interviews.


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