Von den Unterschieden zwischen Stadt und Land, aber auch von den Unterschieden zwischen den Generationen in Sachen Digitalisierung kann unsere heutige Interviewpartnerin ein Lied singen:

Bitte stelle Dich kurz vor (Name, Ort, Website/Blog, wichtigste drei Social-Media-Profile)

Was motiviert Dich dazu, an der Interviewreihe teilzunehmen?

In meinem unmittelbaren Umfeld ist das Leben.digital nicht so präsent wie in urbanen Ballungsgebieten und/oder Studentengegenden. Gerade privat kann man auch mit einer starken Onlineaffinität anecken und muss sich seine realen sozialen Kompetenzen und seine persönlichen Stärken manchmal erobern. Hier kann ich über mein digitales Leben schreiben, bzw. man fordert mich ja sozusagen auf. DAS gefällt mir!

Wie digital ist Dein Leben derzeit und wie hat es sich dahin entwickelt?

Aktuell frage ich mich täglich, wie ich meine besten Jahre (aus jetziger Sicht von 20-25) ohne Smartphone, Rechner und Co. überlebt habe. Zu Zeiten meines Abiturs gab es nur einen C64 in der gesamte Oberstufe und der war noch nicht ans Internet angeschlossen. Mit den Jahren lernte ich schnell die Vorzüge der digitalen Welt kennen und während andere in der Schwangerschaft das Stricken begannen, bildete ich mich stetig weiter und erlebte meinen zweiten Frühling erst in einem Alter von ca. 30. Nun bin ich 44, zertifizierte Social Media Managerin und kümmere mich hauptsächlich um kleine und mittelständische Unternehmen in meiner Region. Mein Leben ist zur Zeit nahezu 100% digital und ich sauge den Input zu dem Thema überall auf, solange es meine Zeit erlaubt.

Was findest Du besonders interessant und spannend an der Digitalisierung?

Interessant und als große Herausforderung finde ich die Rolle der jetzigen Eltern und Pädagogen. Die Veränderungen des Gehirns, der Körperhaltung und der sozialen Verhaltensweisen lassen sich an den jetzigen Teenagern sehr gut ablesen. Ich habe den direkten Vergleich und sehe den Bereich Prävention/Aufklärung als sehr wichtig an. Das Leben.digital unterwandert uns und unsere Kinder in vielen Bereichen. Das müssen wir erkennen und entsprechend aufklären und Vorsichtsmaßnahmen ergreifen

Was findest Du bedenklich am Umgang mit der Digitalisierung?

Die Frage schließt an die vorherige an. Bedenklich finde ich in der Tat die fehlenden sozialen natürlichen Bindungen und Erlebnisse, die junge Menschen und Kinder in ihrer Entwicklung einfach auslassen. Unsere Tochter (13) kann es sich nicht vorstellen, dass wir früher zwei Wochen auf einer Jugendfreizeit waren ohne Smartphone und Internetverbindung. Da sehe ich große Gefahren für die Entwicklung unseres Miteinanders.

Was glaubst Du, wie sich die Digitalisierung weiter entwickeln wird?

Ähnlich wie bei den Vermögensverhältnissen wird sich die Schere der Kenntnisse, der digitalen Begeisterten und der Neugierigen immer weiter öffnen. Es wird immer mehr Menschen geben, die digital auf der Strecke bleiben und die Zahl der Experten und Alleskönner wird steigen. Ich erlebe in meinem Umfeld Menschen, die noch mit dem Telefonbuch in der Printversion arbeiten und keinen Computer haben. Bei der rasenden Entwicklung in den Ballungsgebieten wird man die Menschen in der Peripherie vernachlässigen. Hier sehe ich trotz aller Bemühungen von Google und Facebook die globale digitale Vernetzung noch in weiter Ferne.

Können diejenigen mit dem Thema Digitalisierung versöhnt werden, die sich von ihr bedroht fühlen?

Eine schwierige Frage. Ich habe da durchaus Hoffnung. Die Härtefälle wird es immer geben, aber am Beispiel von älteren Familienmitgliedern sehe ich, wie sich still und leise die Digitalisierung durchsetzt. Wo es früher (vor ca. 2-4 Jahren) noch hieß „Das Internet macht doof“, heißt es jetzt „Rezepte und Urlaubsreisen kann man ja gut im Internet nachsehen“.

Ganz ehrlich: Auch ich fühle mich manchmal bedroht von unserer digitalen Welt, bin dann aber schnell dankbar all dies erleben zu dürfen.

Wie kann man die Menschen dazu bringen, sich mit dem Thema Digitalisierung aktiv auseinander zu setzen?

Meiner Meinung nach nur über Aufklärung auf Augenhöhe. Wenn ich an einer Schule einen Vortrag halte über die Gefahren von WhatsApp & Co, kommen nie die Eltern der Kinder, die es nötig haben. Es herrscht Angst, vorgeführt zu werden. Wir müssen die Menschen erreichen und Ihnen die Angst nehmen und die tollen Seiten der Digitalisierung vor Augen halten. Natürlich sind die Punkte Datenschutz und digitaler Exhibitionismus sehr wichtig, aber viele Menschen finden den Zugang Online lediglich aus Unwissenheit nicht. Manchmal wünsche ich mir einen Bus voller Experten, der durch Deutschland fährt und zu kostenlosen Infogesprächen einlädt. Eine Idee? Den Weg zu Webinaren z.B. werden diese Menschen nicht finden

Gibt es noch etwas, das Du schon immer zum Thema Digitalisierung sagen wolltest?

Ich möchte besonders den Eltern der Teenager eine Botschaft hinterlassen, die permanente Handyverbote aussprechen und sich über die scheinbare geistige Abwesenheit Ihrer Kinder beschweren: Seid Vorbild, lasst Euch auch als Best Ager aufklären und besucht VHS-Kurse oder gründet Online-Stammtische. Zeigt Euch interessiert an den Aktivitäten Eurer Kinder und hinterfragt die Apps, die Dienste  und die Profile. Wir werden die Digitalisierung nicht aufhalten können und sollten die Vorzüge genießen und nutzen. Wenn wir wachsam sind und unseren Kindern und Enkelkindern einen verantwortungsbewussten Umgang lehren, sehe ich der Digitalisierung mit Freude entgegen.

Danke für Deine Antworten, Sabine. 🙂

Wer diese Fragen ebenfalls beantworten, oder einen Gastartikel darüber schreiben möchte, wie die Digitalisierung unser Leben besser machen kann, findet alle nötigen Infos dazu unter http://www.unserleben.digital/mitmachen. Wir freuen uns auch über Linktipps!

Alle bereits erschienenen Interviews findet Ihr unter
http://www.unserleben.digital/thema/interviews.


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